Du möchtest einen größeren Kaffee als einen Espresso, aber keinen dünnen Filterkaffee? Ein espresso lungo verbindet die konzentrierte Zubereitung aus der Siebträgermaschine mit einer deutlich größeren Wassermenge. Ich zeige, wie sich der Lungo von Americano und Café Crème unterscheidet, welche Mengen sinnvoll sind und wie du bitteren oder wässrigen Geschmack vermeidest.
Die wichtigsten Fakten zum langen Espresso auf einen Blick
- Mehr Wasser läuft direkt durch dasselbe Kaffeemehl wie beim Espresso.
- Als Ausgangspunkt eignen sich 40 bis 60 ml Getränkemenge pro einfachem Shot.
- Ein Lungo schmeckt meist weniger konzentriert, kann bei zu langer Extraktion aber bitter und trocken werden.
- Beim Americano wird heißes Wasser erst nach dem Espresso hinzugefügt.
- Für ein gutes Ergebnis sind Mahlgrad, Kaffeemenge und Brühzeit wichtiger als eine starre Milliliterzahl.

Was ein Lungo eigentlich ausmacht
Das italienische Wort „lungo“ bedeutet „lang“. Gemeint ist ein Espresso, bei dem mehr Wasser durch das Kaffeemehl läuft, während die Kaffeemenge zunächst gleich bleibt. Dadurch entsteht eine größere Tasse mit einem längeren, oft etwas leichteren Geschmack.
Ein klassischer Espresso enthält ungefähr 25 bis 30 ml Wasser. Beim Lungo sind je nach Maschine und Rezept etwa 40 bis 60 ml üblich. Manche Kaffeevollautomaten lassen deutlich größere Mengen zu, doch ab einem bestimmten Punkt wird aus dem verlängerten Espresso eher ein Café Crème.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht nur in der Wassermenge, sondern darin, wie das Wasser eingesetzt wird. Beim Lungo läuft die gesamte Menge während der Extraktion durch das Kaffeemehl. Dabei werden zuerst leicht lösliche Aromen und später zunehmend kräftige, manchmal auch herbe Bestandteile gelöst.
So bereitest du ihn zu Hause richtig zu
Für den Einstieg empfehle ich eine einfache Orientierung. Verwende für einen einfachen Shot etwa 7 bis 9 g Kaffeemehl und ziele auf 40 bis 60 g Getränk in der Tasse. Bei einem doppelten Sieb sind meist 16 bis 18 g Kaffee und ungefähr 50 bis 70 g Getränk ein guter Startpunkt.
- Heize Maschine, Siebträger und Tasse gründlich vor.
- Mahle die Bohnen fein, aber nicht ganz so fein wie für einen sehr kurzen Espresso.
- Verteile das Kaffeemehl gleichmäßig und tamp es mit konstantem Druck.
- Starte die Extraktion und beende sie, sobald die gewünschte Getränkemenge erreicht ist.
- Probiere den Kaffee und verändere danach nur eine Einstellung auf einmal.
Die Brühzeit liegt häufig bei 30 bis 50 Sekunden, abhängig von Kaffeemenge, Mahlgrad und Maschine. Eine feste Zeit ist jedoch kein Qualitätsbeweis. Wenn der Lungo nach 35 Sekunden ausgewogen schmeckt, gibt es keinen Grund, ihn künstlich länger laufen zu lassen.
Der richtige Mahlgrad entscheidet über den Geschmack
Läuft das Wasser in wenigen Sekunden durch, schmeckt die Tasse oft sauer, dünn oder unausgewogen. Dann ist der Mahlgrad wahrscheinlich zu grob. Tropft die Maschine dagegen sehr langsam und hinterlässt einen trockenen, bitteren Eindruck, solltest du etwas gröber mahlen oder die Wassermenge reduzieren.
Ich würde für den Anfang lieber mit einer kleineren Lungo-Menge arbeiten und mich langsam steigern. Ein Rezept mit 45 ml lässt sich meist leichter kontrollieren als ein sehr langer Bezug mit 90 ml, bei dem die später extrahierten Bitterstoffe stark in den Vordergrund treten.
Lungo, Americano und Café Crème im direkten Vergleich
Die drei Getränke sehen ähnlich aus, entstehen aber auf unterschiedliche Weise. Genau diese Zubereitungsdetails erklären, warum sie trotz vergleichbarer Tassenmenge nicht gleich schmecken.
| Getränk | Zubereitung | Typische Menge | Geschmack |
|---|---|---|---|
| Espresso | Wenig Wasser läuft kurz durch fein gemahlenen Kaffee | 25 bis 30 ml | Intensiv, konzentriert, körperreich |
| Lungo | Mehr Wasser läuft direkt durch das Kaffeemehl | 40 bis 60 ml | Länger, kräftig, manchmal herber |
| Americano | Espresso wird mit heißem Wasser verlängert | 100 bis ост? | Verdünnt, klarer und oft weniger bitter |
| Café Crème | Größere Wassermenge wird mit passendem Mahlgrad extrahiert | 120 bis 180 ml | Milder, größer und näher am langen Kaffee |
In der Tabelle sollte bei der Americano-Menge kein starrer Standard verstanden werden. In Deutschland sind 100 bis 150 ml häufig, während Cafés auch größere Tassen anbieten. Der wichtigste Unterschied bleibt die Reihenfolge: Beim Americano kommt das Wasser nicht durch das Kaffeemehl.
Wenn du eine ausgeprägte Crema und einen kräftigen Körper möchtest, ist der Lungo interessant. Suchst du dagegen einen größeren, weicheren Kaffee ohne zusätzliche Bitterkeit, halte ich einen Americano oft für die bessere Wahl. Ein Café Crème passt wiederum besser, wenn du eine große Tasse für den ganzen Vormittag möchtest.
Welche Bohnen und Einstellungen gut funktionieren
Für einen Lungo funktionieren mittelkräftige bis dunklere Röstungen meist besonders zuverlässig. Schokoladige, nussige und karamellige Aromen bleiben auch bei der längeren Extraktion stabil. Ein kleiner Robusta-Anteil kann zusätzlich für mehr Körper und eine festere Crema sorgen.
Helle Röstungen sind nicht ausgeschlossen, aber anspruchsvoller. Sie können bei einem langen Bezug schnell säuerlich oder spitz wirken. Wenn du helle Bohnen verwendest, lohnt sich ein etwas gröberer Mahlgrad und eine vorsichtige Getränkemenge, damit die Tasse nicht überextrahiert.
Auch die Wasserqualität wird häufig unterschätzt. Sehr hartes Wasser kann Aromen dämpfen und die Maschine belasten, während völlig mineralarmes Wasser flach schmecken kann. Ein brauchbarer Mittelweg ist frisches, gefiltertes Trinkwasser mit ausgewogenem Mineralgehalt.
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Was bei Vollautomaten anders ist
Bei einem Vollautomaten wird der Lungo meist über eine Taste mit gespeicherter Wassermenge zubereitet. Stelle diese zunächst auf etwa 50 bis 70 ml ein und passe sie an die Bohne an. Eine Werksvoreinstellung ist bequem, aber nicht automatisch geschmacklich passend.
Viele Geräte mahlen für einen langen Kaffee nicht mehr Kaffeebohnen, sondern verwenden dieselbe Dosis mit mehr Wasser. Das kann funktionieren, führt bei großen Mengen aber schnell zu Bitterkeit. Für eine Tasse von 150 ml ist ein Americano-Programm oder eine separate Heißwasserfunktion oft sinnvoller.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Der häufigste Fehler ist die Annahme, ein Lungo werde einfach besser, je länger die Maschine läuft. Das Gegenteil kann passieren. Nach den angenehm löslichen Bestandteilen gelangen zunehmend herbe und trocknende Aromen in die Tasse.
- Zu viel Wasser: Reduziere die Menge zunächst auf 45 bis 60 ml oder verwende heißes Wasser nach dem Bezug.
- Zu feiner Mahlgrad: Mahle etwas gröber, wenn die Extraktion sehr langsam läuft und der Kaffee bitter schmeckt.
- Zu grober Mahlgrad: Stelle feiner ein, wenn die Tasse sauer, wässrig oder auffällig kurz im Geschmack wirkt.
- Alte Bohnen: Frische Bohnen mit stabilem Aroma liefern meist mehr Körper und eine sauberere Crema.
- Unruhiger Kaffeekuchen: Eine ungleichmäßige Verteilung verursacht Channeling. Das Wasser sucht sich dann einzelne Wege durch das Kaffeemehl.
Wenn der Kaffee trotz guter Einstellung zu kräftig ist, würde ich nicht sofort die Extraktion immer weiter verlängern. Besser ist oft ein normaler Espresso mit separat erhitztem Wasser. So erhältst du mehr Volumen, ohne die letzten bitteren Bestandteile aus dem Kaffeekuchen zu lösen.
Wie viel Koffein in der längeren Tasse steckt
Mehr Wasser bedeutet nicht automatisch mehr Koffein. Entscheidend ist vor allem die verwendete Kaffeemenge und wie viel davon während der Extraktion gelöst wird. Ein Lungo aus derselben Dosis kann etwas mehr Koffein enthalten als ein kurzer Espresso, weil die Extraktion länger dauert.
Ein Americano aus einem Espresso enthält dagegen grundsätzlich ungefähr die Koffeinmenge des verwendeten Espressos. Das zusätzliche Wasser macht ihn milder, erhöht aber nicht den Koffeingehalt. Wer eine besonders große Tasse trinkt, sollte deshalb eher auf die Anzahl der Shots als auf das Volumen achten.
Auch bei entkoffeinierten Bohnen bleibt die Zubereitungslogik gleich. „Entkoffeiniert“ bedeutet nicht völlig koffeinfrei, aber die Restmenge ist deutlich geringer als bei normalem Kaffee. Für den Geschmack ist hier eine moderate Wassermenge besonders hilfreich, weil manche Decaf-Röstungen bei langen Bezügen schneller flach wirken.
Die passende Wahl für deine Kaffeepause
Ein Lungo passt zu dir, wenn du den Charakter eines Espressos behalten, aber mehr Zeit und Volumen in der Tasse haben möchtest. Beginne mit 45 bis 60 ml und taste dich nur dann weiter vor, wenn die Tasse noch süß und klar schmeckt.
Für eine große, sanfte Tasse ist der Americano meist unkomplizierter. Ein Café Crème eignet sich besser für 120 bis 180 ml und verlangt eine darauf abgestimmte Extraktion. Meine praktische Faustregel lautet deshalb: mehr Wasser durch den Kaffee ergibt einen Lungo, mehr Wasser neben dem Kaffee ergibt einen Americano.
Am Ende zählt nicht die Bezeichnung auf der Taste, sondern das Ergebnis in deiner Tasse. Wenn der Kaffee angenehm duftet, nicht trocken nachzieht und auch nach einigen Schlucken noch balanciert wirkt, hast du die richtige Einstellung gefunden.
